Verarbeitung und erster Eindruck
Der Ooni Karu 12 wirkt beim Auspacken deutlich massiver als die reinen Gasmodelle der Koda-Reihe – kein Wunder, denn die doppelwandige Isolierung muss den höheren Temperaturschwankungen eines Holz- oder Kohlefeuers standhalten. Das Gehäuse aus Edelstahl und pulverbeschichtetem Stahl macht einen robusten Eindruck, die seitliche Feuerklappe lässt sich leicht öffnen, um Brennmaterial nachzulegen, ohne die komplette Vorderfront zu öffnen.
Im Lieferumfang enthalten sind eine kleine Anzündhilfe-Schale und der Cordierit-Pizzastein, der bereits vormontiert im Ofen liegt. Wer den optionalen Gasbrenner nutzen möchte, muss diesen separat bestellen – er wird einfach anstelle der Feuerklappe eingesetzt und macht aus dem Karu 12 im Handumdrehen einen reinen Gasofen.
Im Detail: Feuer machen und Temperatur halten
Anders als bei Gasmodellen erfordert der Karu 12 etwas Übung: Zum Start werden kleine, trockene Holzscheite oder Holzkohlebriketts in die Feuerkammer gegeben und angezündet. Bei guter Materialqualität und regelmäßigem Nachlegen erreicht der Ofen nach 15 bis 20 Minuten die Zielmarke von etwa 450–500 °C. Wer sparsameres oder feuchteres Holz verwendet, braucht spürbar länger und muss häufiger nachlegen.
Ist die Temperatur erreicht, backt eine 30-cm-Pizza in ungefähr 60 Sekunden – vergleichbar mit dem gasbetriebenen Koda 12. Der Unterschied liegt im Geschmack: Das Holzfeuer hinterlässt eine leicht rauchige Note im Teig, die mit Gas nicht erreichbar ist. Im direkten Vergleichstest schmeckten Testesser den Unterschied zwischen Holz- und Gasbetrieb deutlich heraus, auch wenn die Backzeit nahezu identisch blieb.
Wie heiß muss ein Pizzaofen mit Holzbefeuerung sein?
Auch beim Holzbetrieb gilt der Zielbereich von 450–500 °C für authentische neapolitanische Pizza. Der Karu 12 erreicht diesen Wert zuverlässig, allerdings mit größerer Schwankungsbreite als Gasmodelle – je nachdem, wie viel Glut gerade vorhanden ist, kann die Temperatur zwischen zwei Backvorgängen um 30–50 °C schwanken. Erfahrene Nutzer legen rechtzeitig nach, um diese Schwankungen auszugleichen, Einsteiger müssen hier etwas Lehrgeld zahlen.
Ein Vorteil in der Praxis: Die seitliche Feuerklappe erlaubt es, während des Backens Holz nachzulegen, ohne die Fronttür öffnen und dadurch Hitze verlieren zu müssen. Das hält die Innentemperatur stabiler als bei Öfen, bei denen Brennmaterial nur von vorne zugänglich ist.
Pflege und Handhabung
Nach dem Backen sollte die Asche aus der Feuerkammer entfernt werden, sobald der Ofen vollständig abgekühlt ist – im Betrieb besteht sonst Verbrennungsgefahr. Der Cordierit-Stein wird trocken mit einer Bürste gereinigt, niemals mit Wasser, da er sonst Risse bekommen kann. Das Gehäuse verträgt gelegentliches Abwischen, sollte aber zwischen den Einsätzen mit einer Abdeckung vor Feuchtigkeit geschützt werden, da Asche- und Rußreste in Verbindung mit Regen die Beschichtung angreifen können.
Wer häufiger zwischen Holz- und Gasbetrieb wechseln möchte, sollte den Umbau (Feuerklappe gegen Gasbrenner) vor dem eigentlichen Kochevent einplanen – der Wechsel dauert zwar nur wenige Minuten, ist aber nichts für spontane Last-Minute-Entscheidungen mitten im Backvorgang.
Für wen geeignet?
Der Ooni Karu 12 ist ideal für alle, die das authentische Raucharoma einer Holzfeuer-Pizza wollen, aber nicht gleich in ein großes 700-€-Modell wie den Karu 16 investieren möchten. Auch für alle, die sich die Option offenhalten wollen, später auf bequemeren Gasbetrieb umzusteigen, ist er eine gute Wahl. Wer dagegen von Anfang an nur den einfachsten Weg zur fertigen Pizza sucht, ohne sich mit Feuerpflege zu beschäftigen, ist mit einem reinen Gasofen aus dem Pizzaofen-Vergleich besser beraten.
Wie sich Multi-Fuel-Öfen gegen reine Gas- oder Elektromodelle schlagen, zeigt auch ein Blick in den Grill-Simulator, der die Eigenschaften verschiedener Brennstoffarten gegenüberstellt.
Unsere aktuelle Übersicht der besten Pizzaöfen findest du hier.


