Erster Eindruck: Verarbeitung auf Referenzniveau
Wer den Napoleon PRO22K-LEG-2 auspackt, merkt sofort, dass hier nicht am Material gespart wurde. Der emaillierte Stahlkessel ist dickwandiger als bei den meisten Konkurrenten in der 57-cm-Klasse, die Schweißnähte sind sauber, das Gestell mit den zwei gummierten Rollen steht kippsicher auch auf unebenem Terrassenboden. Der Aufbau dauert rund 40 Minuten, da mehr Schrauben und Streben verbaut sind als bei einfacheren Kugelgrills – das zahlt sich später in der Stabilität aus.
Das Herzstück ist der WAVE-Gussrost: Anders als bei den meisten Kugelgrills lässt er sich in drei Höhenstufen verstellen, ohne die Kohle bewegen zu müssen. Das ist ein spürbarer Unterschied zur reinen Lüftungsschieber-Regelung, wie sie etwa beim Tepro San Francisco oder Enders Atlanta zum Einsatz kommt. Wer schon einmal mit einem Standard-Kugelgrill gearbeitet hat, wird die zusätzliche Feinjustierung schnell zu schätzen wissen.
Im Detail: Grillergebnis und Temperaturführung
Nach dem Anzünden mit einem Anzündkamin ist die Kohle nach rund 20 Minuten glutbereit. Bei niedrigster Rost-Position und voll geöffneter Belüftung erreicht der Grill direkt über der Glut Temperaturen von 300 bis 330 °C – genug für eine kräftige Kruste auf dickeren Steaks in 2 bis 3 Minuten pro Seite. Fährt man den Rost eine Stufe höher, sinkt die direkte Hitze spürbar, ohne dass man Kohle nachlegen oder umschichten muss.
Für indirektes Grillen wird die Kohle auf eine Kesselhälfte verteilt, der Deckel mit dem integrierten Thermometer geschlossen und die Belüftung reduziert. Ein 2-kg-Schweinenacken bei rund 110 °C war nach etwas über 5,5 Stunden butterzart und rauchig – die komplett schließbare Ober- und Unterlüftung hält die Temperatur dabei bemerkenswert stabil, ohne dass man alle 30 Minuten nachregeln muss. Genau diese enge Temperaturführung unterscheidet den PRO22K-LEG-2 von einfacheren Modellen ohne verschließbare Lüftung.
Wie schlägt sich der Napoleon PRO22K-LEG-2 im Vergleich zur Master-Touch-Klasse?
Der Napoleon PRO22K-LEG-2 spielt in derselben Liga wie der Weber Master-Touch, punktet aber mit dem 3-fach höhenverstellbaren Rost und der komplett schließbaren Belüftung – zwei praktische Vorteile für feinere Temperatursteuerung. Beim Zubehör-Ökosystem bleibt Weber mit GBS aber die größere Auswahl.
In der täglichen Praxis zeigt sich: Wer viel mit unterschiedlichen Temperaturzonen arbeitet – etwa Reverse-Sear-Steaks, bei denen erst indirekt vorgegart und dann scharf angegrillt wird – profitiert am meisten von der Höhenverstellung. Für simples Bratwurst- und Gemüsegrillen ist der Vorteil kleiner, aber die Verarbeitungsqualität bleibt auch dort spürbar.
Reinigung und Alltag
Die großzügig dimensionierte Aschewanne lässt sich nach dem vollständigen Auskühlen mit einem Handgriff herausziehen und entleeren – deutlich komfortabler als bei Kugelgrills mit reiner Bodenklappe. Der Gussrost braucht nach jedem Grillen eine kurze Behandlung mit der Bürste und gelegentlich etwas Speiseöl, damit er nicht rostet – das ist der übliche Pflegeaufwand von Gusseisen, aber eben auch der Grund für die bessere Wärmespeicherung im Vergleich zu verchromtem Stahl. Das Deckelscharnier mit Kippmechanismus erleichtert das Nachlegen von Kohle während langer Sessions, ohne den ganzen Deckel absetzen zu müssen.
Für wen geeignet?
Der Napoleon PRO22K-LEG-2 eignet sich für ambitionierte Hobbygriller, die bereits Erfahrung mit Kugelgrills haben und gezielt in mehr Kontrolle investieren wollen – etwa für Low-and-Slow-Sessions oder Reverse-Sear-Steaks. Einsteiger, die zum ersten Mal einen Kugelgrill kaufen, fahren mit einem günstigeren Modell wie dem Tepro San Francisco zunächst genauso gut und können später aufrüsten.
Wie er sich gegen die günstigeren Alternativen schlägt, zeigt der Überblick aller Kugelgrills im Vergleich. Wer noch unsicher ist, ob ein Kugelgrill überhaupt der richtige Grilltyp ist, findet über den Grill-Finder in einer Minute die passende Antwort.



