Unboxing und Verarbeitung
Anders als bei vielen Kamado-Konkurrenten liefert Kamado Joe den Classic II als echtes Komplettpaket: Der stabile Wagen mit großen Rollen, zwei klappbare Bambus-Seitentische und die Deflektorsteine für indirektes Grillen sind bereits im Karton. Das reduziert den Montageaufwand auf gut eine Stunde, und es entfällt die sonst bei Kamados übliche Zubehör-Odyssee direkt nach dem Kauf.
Die Keramikwand ist doppelwandig glasiert und wirkt bereits beim Auspacken massiv – kein Wunder bei rund 105 kg Gesamtgewicht inklusive Wagen. Das Air-Lift-Scharnier fällt sofort positiv auf: Trotz des schweren Deckels lässt er sich mit einer Hand in jede beliebige Position bringen und bleibt dort stehen, ohne zuzuklappen oder hochzuschnellen.
Im Detail: Divide & Conquer im Alltag
Das Herzstück des Classic II ist das Divide & Conquer-System: zwei halbrunde Rostebenen, die sich unabhängig voneinander mit Deflektorstein, Gussrost oder Edelstahlrost bestücken lassen. In der Praxis bedeutet das: Auf einer Hälfte brutzelt ein Steak bei direkter Hitze, während auf der anderen Hälfte über dem Deflektorstein ein Hähnchen indirekt gart – gleichzeitig, ohne Rostwechsel oder Umbau.
Beim Anheizen erreicht der Classic II binnen 15–20 Minuten Temperaturen von 200 °C, am oberen Ende sind bis zu 400 °C möglich für scharfes Anbraten. Bei Niedrigtemperatur-Läufen um 110–130 °C hält eine Füllung Lump-Kohle zuverlässig 10 bis 14 Stunden – für ein komplettes Pulled-Pork-Programm über Nacht reicht das locker aus, ohne dass nachgelegt werden muss.
Bei einem Testdurchgang mit Rippchen nach der 3-2-1-Methode zeigt sich die Doppelnutzung besonders gut: Auf der einen Rosthälfte garen die Rippchen drei Stunden indirekt über dem Deflektorstein bei 110 °C, während auf der anderen Hälfte gleichzeitig Ofenkartoffeln bei etwas höherer Hitze fertig werden. Beide Zonen lassen sich unabhängig über die Lüfterstellung und die Position der Halbmond-Roste feinjustieren, ohne dass sich die Temperaturen gegenseitig beeinflussen.
Wie gut lässt sich der Kamado Joe Classic II reinigen?
Sehr gut im Vergleich zur Konkurrenz: Die SlideOut-Aschelade zieht sich werkzeuglos heraus und lässt sich in Sekunden entleeren, statt die Asche mühsam durch eine Bodenklappe zu kratzen. Nach etwa 4–6 Grillgängen ist ein Leeren fällig, je nach Kohlequalität und Fettmenge.
Die Innenwand der Keramik braucht kaum Pflege – ein kurzes Ausbrennen bei voller Hitze reicht, um Fettreste zu verbrennen. Die Gussroste lassen sich mit einer Bürste reinigen, sollten aber nach dem Reinigen leicht eingeölt werden, damit sie nicht rosten. Die Bambus-Seitentische vertragen keine dauerhafte pralle Sonne oder Frost und sollten in der Nebensaison abgenommen oder abgedeckt werden.
Ein Blick auf die Langlebigkeit lohnt sich zusätzlich: Die Edelstahlkomponenten am Lüfter und Scharnier sind auf jahrelange Wetterbeständigkeit ausgelegt, und Ersatzteile für Dichtungen oder Roste lassen sich über den Kamado-Joe-Vertrieb in Deutschland unkompliziert nachbestellen. Wer den Grill über den Winter im Freien stehen lässt, sollte lediglich die Dichtung am Deckel gelegentlich auf Risse prüfen, da hier über Jahre der größte Verschleiß auftritt.
Für wen geeignet?
Der Kamado Joe Classic II ist ideal für alle, die Mehrzonen-Grillen ernsthaft nutzen wollen – Familien mit gemischten Vorlieben (jemand will Steak, jemand will Gemüse), Grillabende mit mehreren Gängen oder alle, die direktes und indirektes Grillen ohne Rostwechsel kombinieren möchten. Da Wagen, Deflektoren und Seitentische bereits enthalten sind, eignet sich das Modell auch für alle, die keine Lust auf jahrelanges Zubehör-Sammeln haben.
Auch preisbewusste Käufer, die den Sprung von einem Kugelgrill oder Watersmoker zu einem echten Vollkeramik-Kamado wagen wollen, finden im Classic II einen fairen Einstieg in die Premium-Klasse – ohne die Aufpreise, die reine Markentreue bei Big Green Egg oft mit sich bringt.
Einen Überblick über alle bewerteten Modelle liefert die Kamado-Kategorie – von Einsteiger-Kamados bis zu XXL-Varianten für große Runden. Wer noch nicht sicher ist, ob ein Kamado der richtige Grilltyp ist, sollte vorher kurz den Grill-Finder durchklicken.
Wie sich das Modell gegen die Konkurrenz schlägt, zeigt der Kamados-Vergleich.



