Erster Eindruck: viel Grill fürs Geld
Beim Auspacken des Pit Boss Pro 850 fällt zuerst die schiere Größe auf: Der Wagen mit zwei Ablagen und großen Rädern wirkt für die Preisklasse überraschend massiv. Die Montage dauert zu zweit knapp eine Stunde – die Bohrungen sind vorgestanzt, das mitgelieferte Werkzeug reicht aus. An Schweißnähten und Scharnieren zeigt sich, dass hier nicht die teuerste Materialqualität verbaut wurde, funktional stört das aber nicht.
Der Pelletbehälter fasst rund 9 kg und sitzt seitlich am Gehäuse. Das digitale Bedienfeld ist übersichtlich: ein Drehregler für die Zieltemperatur, ein Display für Ist- und Soll-Wert. Vor dem ersten Grillgang ist – wie bei jedem Pelletgrill – ein Einbrennvorgang bei hoher Temperatur nötig, um Fertigungsrückstände zu entfernen.
Im Detail: Temperatur und Direktgrillen
In der Praxis erreicht der Pro 850 die eingestellten 250 °C innerhalb von rund 12 bis 15 Minuten nach dem Zünden. Die PID-Steuerung hält die Temperatur im laufenden Betrieb auffällig stabil – im vierstündigen Praxiseinsatz bei 110 °C schwankte der Wert selten mehr als 5 bis 7 °C, auch bei leichtem Wind auf der Terrasse.
Das eigentliche Highlight ist die Flame-Broiler-Klappe: Ein Schieber unter dem Hauptrost öffnet die Diffusorplatte und legt die Flamme direkt unter das Grillgut. Steaks bekommen dadurch in rund 90 Sekunden pro Seite kräftige Grillstreifen – etwas, das bei reinen Konvektions-Pelletgrillern ohne diese Klappe kaum gelingt. Die Grillfläche von 5.484 cm² auf zwei Ebenen bietet Platz für zwei komplette Spare-Rib-Racks nebeneinander plus Beilagen auf der oberen Ebene.
Wie gut funktioniert der Pit Boss Pro 850 beim Räuchern?
Direkt beantwortet: sehr gut, solange die Zieltemperatur unter 150 °C bleibt. Ein 2,2 kg schweres Pulled-Pork-Stück brauchte bei 110 °C rund 8 Stunden bis zur Kerntemperatur von 94 °C, mit sichtbarem Smoke Ring und gleichmäßiger Rauchdurchdringung.
Der Rauchgeschmack ist bei niedrigen Temperaturen kräftiger als bei manchen Premium-Modellen, weil die Verbrennung etwas unregelmäßiger abläuft – für BBQ-Puristen eher ein Vorteil, für Einsteiger, die dezenten Rauch bevorzugen, unter Umständen zu intensiv. Wer variieren möchte, regelt einfach über verschiedene Pelletsorten nach.
Beim Backen zeigt sich eine weitere Stärke der großen Fläche: Zwei Bleche mit Beilagen oder Brot lassen sich gleichzeitig auf der oberen Ebene garen, während unten weiterhin Fleisch zieht. Bei 200 °C dauerte es im Praxiseinsatz mit Ofenkartoffeln rund 55 Minuten bis zur gewünschten Konsistenz – ein Wert, der sich kaum von einem herkömmlichen Backofen unterscheidet, nur eben mit zusätzlichem Rauchgeschmack.
Alltag und Reinigung
Die Fettwanne unter dem Garraum lässt sich mit Alufolie auskleiden und ist nach dem Grillen leicht zu entleeren. Der Aschebehälter unter der Brennkammer sollte alle 4 bis 6 Grillsessions geleert werden, sonst leidet die Zündzuverlässigkeit. Die emaillierten Gussroste reinigen sich mit einer Bürste nach dem Ausbrennen zügig. Die beiden Ablagen an den Seiten lassen sich bei Nichtgebrauch nicht einklappen, was bei der Lagerung im Winter etwas mehr Stellfläche beansprucht als bei Modellen mit klappbaren Tischen.
Ein Blick lohnt sich auch auf die Räder: Zwei davon sind arretierbar, sodass der Wagen beim Grillen nicht wegrollt – ein kleines, aber im Alltag praktisches Detail, das nicht jeder Hersteller in dieser Preisklasse bietet.
Für wen geeignet?
Der Pit Boss Pro 850 eignet sich für alle, die auf einer großen Fläche für Familie oder Freunde grillen wollen und dafür nicht den Aufpreis für eine Premium-Marke zahlen möchten. Besonders für alle, die neben Low-&-Slow-Garungen auch mal ein Steak scharf anbraten wollen, ist die Flame-Broiler-Klappe ein handfestes Argument. Wer höchsten Wert auf App-Komfort und Verarbeitungsdetails legt, findet in der Pelletgrill-Kategorie Alternativen im höheren Preissegment. Unsicher, welcher Grilltyp zu deinem Alltag passt? Der Grill-Finder hilft in einer Minute weiter.
Einen breiteren Überblick gibt unsere Bestenliste Pelletgrills.